Die Insektenforscher Stephen Simpson und David Raubenheimer, welche die Mormonengrille detailliert studiert haben, entdeckten erstmals, dass die Daumengroßen Geschöpfe nicht nur sinnbefreit auf der Suche nach Nahrung sind, sondern sie haben spezifischen Eiweiß-Hunger[1].


Dieser hartnäckige Eiweißappetit ist ein artübergreifender und universeller Effekt, der bei vielen Tieren entdeckt wurde.

Proteine dienen nicht lediglich als Energielieferanten, wie es in erster Instanz Kohlenhydrate und Fette es tun, sondern sie werden zum Aufbau des Körpers gebraucht.


Metapher: Beim Hausbau wird Energie für die Maschinen benötigt. Man könnte die Holzbalken und andere Baumaterialien verbrennen, um daraus Energie zu gewinnen, jedoch wäre das nicht sehr ökonomisch und außerdem werden diese Materialien noch gebraucht. Diese Baumaterialien stellen die Proteine dar und Kohlenhydrate und Fette könnten zwei Energie- bzw. Stromquellen darstellen. Also ist somit ein gewisses Minimum an Protein essentiell. Nun kommt der zweite Sonderfall der Proteine: Sobald ein Tier seinen Eiweißbedarf gedeckt hat, hört es tendenziell auf zu essen, was bei Kohlenhydrate und Fetten weitaus weniger der Fall ist. Wieder bildlich gesprochen: Sobald genügend Baumaterial vorhanden ist, soll die Baustelle nicht noch mit weiterem Material zugemüllt werden, Strom hingegen kann man theoretisch nie genug haben. Stoffwechseltechnisch ist dies auch recht simpel zu erklären, denn der Körper kann überschüssige Proteine nicht mit derselben Effizienz speichern, wie Kohlenhydrate (Speicherform -> Glykogen) oder Fette (Speicherform -> Triglyzeride).

Okay, verstanden, ist es denn beim Menschen auch so? Eine kleine aber sehr eindrucksvolle Studie[2] zeigte, dass die Gruppe die ein proteinreiches Buffet zur Auswahl hatte 38 % weniger Kalorien zu sich geführt haben. Bei genauerer Betrachtung resultierte dieses Kaloriendefizit daraus, dass die Testpersonen ihre Proteinzufuhr konstant gehalten haben. Andersherum verspeiste die Gruppe mit dem proteinarmen Buffet 35 % mehr Kalorien. Man könnte sagen: Auf dem Weg zu jenem Eiweiß, standen ihnen jede Menge Kohlenhydrate und Fett im Weg, die mit verspeist mussten. Fazit: Auch wir essen solange bis unser Proteinhunger gestillt ist – dies wurde auch anhand größerer und besser kontrollierten Studien mehrfach bestätigt[3]. Ist das eventuell der Grund, warum die Industrie systematisch die Lebensmittel streckt und die Eiweißverdünnung uns zum Überfressen veranlasst?

Weil es dein Körper ist…

Quellen:

[1] Simpson & Raubenheimer (2012)

[2] Simpson et al. (2003): Appetit, 41, S. 123-140; Simpson et al. (2006): PNAS, 103, S. 4152-4156; Simpson & Raubenheimer (2012): The Nature of Nutrition. Princeton University Press

[3] Simpson & Raubenheimer (2005), Gosby et al. (2014)